Ernährung im Alter

Die europäische Bevölkerung wird immer älter. Gesundes und aktives Altern ist daher ein wichtiges Ziel. In Europa werden bis zum Jahr 2050 etwa 30 Prozent der Bevölkerung über 65 Jahre alt sein.


Mangel- und Fehlernährung

Aktuelle Studien zeigen, dass in allen europäischen Ländern gerade ältere Menschen häufig von Mangel- und Fehlernährungen betroffen sind. Diese Mangelzustände erhöhen in weiterer Folge die Anfälligkeit für sekundäre Erkrankungen, z. B. kognitive Defizite oder vermehrte Infektionsraten. Dies geht wiederum mit steigender Pflegebedürftigkeit und erhöhten Wiedereinweisungsraten in Akutspitäler einher.

Während jüngere Seniorinnen/Senioren häufiger zu Übergewicht mit qualitativer Mangelernährung neigen, sind ältere Seniorinnen/Senioren mit steigendem Alter häufiger von quantitativer Mangelernährung betroffen. Die Ursachen hierfür sind multifaktoriell. 

Wichtig ist, den Begriff Fehlernährung in Unterernährung (verringerte Energiespeicher), Mangelernährung aufzuteilen (a. mit krankheitsassoziiertem Gewichtsverlust; b. Eiweißmangel mit einer Verringerung des Eiweißbestands) und spezifischer Mangel an essentiellen Nährstoffe.

In vielen Fällen liegt eine Überschneidung zwischen den verschiedenen Formen der Fehlernährung vor. Unterernährung ist durch eine länger dauernde, nicht bedarfsdeckende Energie-und Nährstoffversorgung gekennzeichnet. Währenddessen greift der Stoffwechsel auf die eigenen Körperreserven (Fettmasse und Muskelmasse) zur Energiebereitstellung zurück. Verringerte Energiespeicher und Untergewicht (BMI <20kg/m²) sind die Folge. Mangelernährung ist definitionsgemäß durch einen krankheitsassoziierten ungewollten Gewichtsverlust (mehr als 10% des Körpergewichts in 6Monaten) und/oder Eiweißmangel mit verringertem Eiweißbestand (v.a. Muskelmasse) gekennzeichnet. Mangelernährung tritt bei Pflegeheimbewohnerinnen/Pflegeheimbewohner häufiger auf als bei unabhängig lebenden gesunden älteren Menschen. 

Ein spezifischer Nährstoffmangel ist vor allem die Folge einer einseitigen Ernährung (wenig Obst und Gemüse, Verzicht auf Vollkornprodukte). Auslöser bei alten Menschen sind oftmals Kau-und Schluckstörungen, bei alleinstehenden betagten Menschen aber auch mangelnde Kochkenntnisse und generelle Unlust am Essen.

Laut aktuellem Österreichischen Ernährungsbericht liegt bei älteren Menschen im Alter zwischen 65 und 80 Jahren bei den Nährstoffen Calcium, β-Carotin, Vitamin D und Zink ein kritischer Mangel vor und bei unzureichende Nährstoffaufnahme weisen deutlich erniedrigte Statuswerte auf Vitamin B6, Vitamin B12, Folsäure und Eisen.

Ursachen dafür:

Körperliche Probleme: wie Kauprobleme, Schluckbeschwerden, Behinderungen (Lähmungen der Arme) oder eingeschränkte Mobilität

Geistige und psychische Verfassung: Demenz, Verwirrtheit

Psychische Probleme: soziale und finanzielle Situation, Einsamkeit, Armut, unzufrieden mit Heimplatz

Gesundheitszustand: Erkrankungen, Schmerzen, Medikamente 

Im höheren Alter nehmen der Grundumsatz, meist die körperliche Aktivität und damit auch der Appetit ab. Der fortschreitende Alterungsprozess ist häufig auch mit einer Veränderung des Geruchs-, Geschmacks-und Durstempfindens assoziiert.  (Meist verbleibt nur noch am stärksten der Sinn für Süßes auf der Zunge)

Um eine adäquate Nährstoffversorgung aufrecht zu erhalten, muss die Menge an Nährstoffen pro Mahlzeit verdichtet werden. Dies bedeutet, dass verstärkt Lebensmittel mit hohem Nährstoffgehalt ausgewählt werden müssen.

Vitamine und Mineralstoffe

In der älteren Bevölkerung konnte laut dem Österreichischen Ernährungsbericht insbesondere bei Vitamin D, Folat, Calcium, Beta-Carotin, Magnesium,Kalium, Vitamin B6 und B12, Eisen und Zink eine unzureichende Aufnahme festgestellt werden. Bei diesen Nährstoffen ist auch der Ernährungsstatus stark verbesserungswürdig.

Die empfohlene Zufuhr für Vitamin D wurde von rund 97% der Seniorinnen/Senioren unterschritten. Da ein Großteil des Vitamin D über die endogene Synthese im Körper produziert wird, kann die tatsächliche Versorgungslage nur durch eine zusätzliche laborchemische Analyse beurteilt werden.

Eine gute Vitamin D-Versorgung ist von besonderer Bedeutung, da Vitamin D bei älteren Menschen das Risiko für Stürze, Knochenbrüche, Kraftverlust, Mobilitäts-und Gleichgewichtseinbußen senken kann.

Die Aufnahme an Folat lag bei den Seniorinnen/Senioren deutlich unter dem Referenzwert für eine ausreichende Zufuhr. 

Ein Mangel an Folat kann zu Veränderungen des Blutbilds und erhöhten Homocysteinwerten führen. Diese werden mit einem steigenden Risiko für koronare Herzerkrankungen, Schlaganfall, Depression und Demenz in Verbindung gebracht. Auf eine ausreichende Zufuhr an frischem Gemüse, Obst und Vollkorngetreideprodukten ist zu achten.

Die empfohlene Calciumzufuhr wurde von den Seniorinnen/Senioren im Durchschnitt nur zu rund zwei Dritteln erreicht. Die geringe Calciumaufnahme durch die Ernährung spiegelt sich auch in den niedrigen Statusdaten und der deutlich erniedrigten Ausscheidung von Calcium im Harn wieder. 

Gute Calciumlieferanten stellen einige Gemüsesorten dar.
Wie zum Beispiel:

Eine im Mittel zufriedenstellende Aufnahme, aber ein verbesserungswürdiger Nährstoffstatus konnte bei den Vitaminen β-Carotin, B6, B12und den Mineralstoffen Eisen und Zink(Frauen) festgestellt werden. Die mittlere β-Carotin-Aufnahme lag bei den Seniorinnen/Senioren zwar im Referenzbereich, es zeigte sich jedoch, dass der Schätzwert für eine angemessene β-Carotin-Zufuhr von mehr als der Hälfte der Seniorinnen/Senioren nicht erreicht wurde. Auch der β-Carotin-Status war stark verbesserungswürdig. 

Um die β-Carotin-Aufnahme und den Status zu verbessern eignen sich gelbes und oranges Obst und Gemüse sowie grünes Blattgemüse. Die mittlere Zufuhr an Vitamin B6 lag bei den Seniorinnen/Senioren im Referenzbereich bzw. darüber.

Kochsalz

Aus den Österreichischen Ernährungsberichten geht hervor, dass von den Seniorinnen/Senioren zu viel Kochsalz konsumiert wird. Laut dem Ernährungsbericht 2012 nahmen Frauen im Mittel 7,2 g und Männer 8,3 g Kochsalz pro Tag auf. 

Eine ausgewogene Ernährung und die richtige Auswahl an Lebensmitteln spielen bis ins hohe Lebensalter für den Erhalt der Gesundheit sowie für die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden eine maßgebliche Rolle. Eine ausreichende Energie-und Proteinzufuhr sind insbesondere für die Muskelproteinsynthese und den Erhalt der Muskelmasse und Muskelfunktion wesentlich. Eine unzureichende Versorgung an Energie und/oder Protein kann die altersassoziierte Abnahme der Muskelmasse verstärken und zur Entwicklung der Sarkopenie beitragen. Einer bedarfsgerechten Ernährung wird aber auch im Zusammenhang mit vielen anderen Erkrankungen ein präventives Potential zugeschrieben. Nicht nur die Morbidität, sondern auch das Mortalitätsrisiko kann beeinflusst werden. Schätzungen der WHO gehen beispielsweise davon aus, dass ein geringer Verzehr an Obst und Gemüse weltweit für 14% der Magen-Darmkrebs-Mortalität, für ca. 11% der Mortalität an ischämischen Herzerkrankungen und für ca. 9% der Mortalität an Schlaganfällen verantwortlich sind.

Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte

Obst und Gemüse sind wichtige Vitamin-und Mineralstofflieferanten und eine gute Quelle für Ballaststoffe. Der Konsum von Obst und Gemüse vermindert mit überzeugender Evidenz das Risiko für Hypertonie, koronare Herzerkrankungen und Schlaganfall. Metaanalysen zeigen beispielsweise, dass pro Portion Obst und Gemüse das Risiko für koronare Herzerkrankungen um 4% und das Risiko für Schlaganfall um 5% sinkt. Ein noch höheres präventives Potential ergibt die alleinige Betrachtung des Obstverzehrs. Pro Portion Obst ist eine Risikosenkung für koronare Herzerkrankungen um 7% und für Schlaganfall um 11% ermittelbar.

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